10. September 2026 | BAG RelEx

Ligante#9 | Demokratie unter Druck?

digitale Öffentlichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren zu zentralen Räumen gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse entwickelt. Politische Meinungsbildung, soziale Interaktion und die Verhandlung demokratischer Werte finden zunehmend auf Plattformen statt, die durch algorithmische Logiken, ökonomische Interessen und emotional geprägte Kommunikationsformen bestimmt werden.

Lesen Sie jetzt die Ligante #9 – hier kostenlos als PDF herunterladen.

Digitale Plattformen sind dabei keine neutralen Räume; sie steuern Sichtbarkeit und Reichweite von Inhalten. Algorithmen und Aufmerksamkeitslogiken begünstigen Zuspitzung, Empörung und die Bildung abgeschlossener Kommunikationsräume. Grenzen öffentlicher Äußerungen können sich dadurch verschieben. Zugleich gewinnen demokratie- und menschenfeindliche Positionen an Anschlussfähigkeit. Extremistische Akteur*innen nutzen diese Dynamiken gezielt – mit vereinfachten, emotionalen und gesamtgesellschaftlich anschlussfähigen Narrativen.

Diese Entwicklungen betreffen demokratische Gesellschaften insgesamt – und stellen zugleich Fachkräfte der Präventionsarbeit vor neue Herausforderungen. Wie verändern digitale Kommunikationsräume gesellschaftliche Diskurse? Welche Folgen haben Fragmentierung, Polarisierung und Desinformation für demokratischen Zusammenhalt? Und wie lassen sich kontroverse Themen bearbeiten, wenn Vertrauen schwindet und Konflikte emotional aufgeladen sind? Mit der Ligante #9 „Demokratie unter Druck? – Diskursverschiebungen und Radikalisierung in digitalen Öffentlichkeiten“ greifen wir diese Fragen auf. Im Zentrum steht die Beobachtung: Demokratische Diskursfähigkeit gerät unter Druck. Dabei verstehen wir Diskursfähigkeit als die Fähigkeit, kontroverse Fragen plural, respektvoll und rational auszuhandeln – auch unter Konfliktbedingungen. Sie bildet die Grundlage für Verständigung, Konfliktbearbeitung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit ist sie auch eine zentrale Ressource der Präventionsarbeit.

 

Hier können Sie die Ligante#9 als PDF herunterladen. Wenn Sie sie lieber in Papierform lesen, können Sie die Ausgabe in gedruckter Version kostenfrei bei uns anfragen. Schreiben Sie uns dazu gerne eine E-Mail an info@bag-relex.de.

Das erwartet Sie in der Ligante#9

Diese Ausgabe der Ligante ist in drei Kapitel gegliedert. Im ersten Kapitel werden zentrale Aspekte digitaler Diskursverschiebungen skizziert. Artikel 1 von Dr. Jan-Hinrik Schmidt (Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut) zeigt, wie soziale Medien öffentliche Kommunikation verändern. Der Beitrag beschreibt zunehmende Polarisierung, Fragmentierung und veränderte Anschlussfähigkeit gesellschaftlicher Positionen. Plattformen strukturieren Kommunikation dabei aktiv über algorithmische Empfehlungen und Aufmerksamkeitslogiken. Artikel 2 von Kaiya M. Reisch (BAG RelEx) zeigt, wie künstliche Intelligenz digitale Öffentlichkeiten verändert. Der Beitrag beschreibt, wie Sprachmodelle, Deepfakes und datengetriebene Systeme Inhalte schneller, günstiger und personalisierter erzeugen und verbreiten.

Das zweite Kapitel richtet den Blick auf ausgewählte politische und ideologische Onlinediskurse, die aktuell in besonderer Weise in gesellschaftliche Debatten hineinwirken. Artikel 3 von Sakina Abushi und Dr. Götz Nordbruch (ufuq.de) zeigt, wie Alltags- und Jugendthemen wie Beziehung, Identität und aktuelle Debatten in digitalen Räumen von islamistischen Akteur*innen aufgegriffen und ideologisch umgedeutet werden. Der Beitrag macht deutlich, dass diese jugendkulturellen Themen an sich unverfänglich und legitim sind, erst in der ideologischen Rahmung, Umdeutung und Zuspitzung fügen sie sich in islamistische Narrative. Artikel 4 von Dr. Greta Jasser (Institut für Demokratieforschung) analysiert antifeministische Onlinemilieus und die sogenannte Manosphere. Der Beitrag zeigt, wie dort misogyne und hierarchische Geschlechterbilder durch popkulturelle Anschlussfähigkeit normalisiert und über Brückennarrative in breitere gesellschaftliche Diskurse eingebettet werden. Im Interview erläutert Prof. Dr. Carola Richter (Freie Universität Berlin), dass soziale Medien die Wahrnehmung des Nahostkonflikts durch stärkere Unmittelbarkeit und parallele Gegenöffentlichkeiten verändern und gleichzeitig journalistische Einordnung vor neue Herausforderungen stellen.

Das dritte Kapitel richtet den Blick auf Gegenstrategien und Praxisperspektiven. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie demokratische Diskursfähigkeit in digitalen und analogen Räumen gestärkt werden kann. Artikel 5 von Jana Aslan-Moor (Mosaik Deutschland e.V.) beschreibt, dass junge Menschen in digitalen und analogen Räumen mit widersprüchlichen Informationen umgehen müssen, weshalb politische Bildung Diskursfähigkeit durch Kontroversität, Diversitätssensibilität und Medienkompetenz fördern sollte, um Ambiguitätstoleranz und Selbstwirksamkeit zu stärken sowie einen reflektierten Umgang mit

Informationen zwischen Fakten, Meinungen und Desinformation zu ermöglichen. Artikel 6 von Dr. Oliver Honer (Jugendstiftung Baden-Württemberg) zeigt, dass Hate Speech und digitale Gewalt weit verbreitet sind und insbesondere marginalisierte sowie politisch aktive Personen betreffen, was zu erheblichen emotionalen Belastungen und Rückzugsprozessen aus öffentlichen Diskursen führen kann. Als Gegenstrategien werden Resilienzförderung, Beratungsangebote sowie rechtliche und strukturelle Maßnahmen wie Plattformregulierung und Meldesysteme hervorgehoben.

Die Beiträge dieser Ausgabe zeigen: Diskursverschiebungen und Radikalisierung in digitalen Öffentlichkeiten betreffen demokratische Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Arbeit vieler Fachkräfte unmittelbar. Die Ligante #9 möchte aktuelle Entwicklungen einordnen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und Impulse für eine reflektierte Präventionspraxis geben.

Hier können Sie die Ligante#9 als PDF herunterladen. Wenn Sie sie lieber in Papierform lesen, können Sie die Ausgabe in gedruckter Version kostenfrei bei uns anfragen. Schreiben Sie uns dazu gerne eine E-Mail an info@bag-relex.de.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.
Redaktionsteam & Geschäftsführung der BAG RelEx

September, 2026

 

 

 

 

Was ist die Ligante?

Die Ligante haben wir 2018 ins Leben gerufen, um die Debatten, die in unserem Fachbereich geführt werden, und die Themen, die wir als BAG RelEx anstoßen, einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Wort Ligante ist Esperanto und bedeutet Verknüpfung. Denn genau an dieser Stelle setzen wir an: Wir verknüpfen nicht nur Expert*innen innerhalb der zivilgesellschaftlichen Präventionsarbeit gegen religiös begründeten Extremismus, sondern stellen auch Verbindungen zu anderen Arbeitsbereichen, Netzwerken und Institutionen her. Im Jahr 2025 hat die Ligante ein Redesign erhalten und tritt nun mit einem neuen, Erscheinungsbild auf. Hier finden Sie einen Überblick über alle Ausgaben der Ligante. Fachdebatten aus der Präventionsarbeit.

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