13. Juli 2026 | BAG RelEx

Trendreport #5 Religion und nationale Identität als politische Allianz:

Verschränkung extremistischer Ideologien am Beispiel des türkischen Ultranationalismus

 

Im Kontext der Prävention und Bekämpfung von Extremismus gewinnt die Frage nach dem Verhält­nis von Religion und Nationalismus zunehmend an Bedeutung. Das zeigt sich insbesondere am Beispiel des türkischen Ultranationalismus, der im Bereich des sogenannten auslandsbezogenen Extremismus in Deutschland – neben der PKK – eines der größten Personenpotenziale darstellt. Zugleich deuten aktuelle Entwicklungen darauf hin, dass ge­rade religiös geprägte Strömungen innerhalb dieser Bewegung an Einfluss gewinnen, etwa im Vergleich zu stärker laizistisch ausgerichteten Positionen.

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Für die praktische Präventionsarbeit ergibt sich daraus eine zusätzliche Herausforderung: In der Einordnung entsprechender Phänomene wird häufig danach ge­fragt, ob es sich eher um religiös begründeten Extre­mismus oder um rechtsextreme Ideologien handelt. Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass die­se Zuordnung nicht immer eindeutig ist. So werden Klient*innen mitunter vorschnell dem islamistischen Spektrum zugeordnet, obwohl ihre Einstellungen und Handlungen eher dem türkischen Rechtsextre­mismus ohne ausgeprägte religiöse Bezüge zuzu­rechnen wären. Diese Zu­ordnungsschwierigkeiten machen es notwendig, die ideologischen Grundlagen und deren Verschränkun­gen differenzierter zu betrachten.

Deshalb soll im Folgenden das Verhältnis von Na­tionalismus und religiös begründetem Extremismus einer kritischen Revision unterzogen werden. Beide Phänomene werden häufig als gegensätzliche For­men kollektiver Identität verstanden, doch greift diese Gegenüberstellung zu kurz. In der Praxis zeigen sich vielmehr Überschneidungen und wechselseitige An­schlussfähigkeiten zwischen nationalen und religiö­sen Bezugssystemen.

Einerseits bestehen signifikante Unterschiede: So spielt im Islamismus die Vorstellung einer globalenmuslimischen Gemeinschaft eine zentrale Rolle, die nationale Grenzen relativiert oder sogar ablehnt – dies entspricht der tendenziell universalistischen Lo­gik religiös-kultureller Identität, die Zugehörigkeit über Glauben und nicht über Herkunft definiert. Nationa­le, ethnisch-kulturelle Identität folgt demgegenüber einer tendenziell partikularistischen Logik, da Zuge­hörigkeit hier über Abstammung, Sprache oder an­dere Herkunftsnarrative konstituiert wird. Andererseits zeigen sich zugleich Verschränkungen, wenn in be­stimmten nationalistischen Kontexten Religion gezielt als identitätsstiftendes Element eingebunden wird. Beispiele wie die Türkei verdeutlichen, dass insbeson­dere im Bereich ultranationalistischer Ideologien reli­giöse Bezüge eine wichtige Rolle innerhalb nationa­ler Selbstverständnisse spielen können. Die Grenzen zwischen religiösen und nationalen Identitätsmustern sind damit oft fließend.

In dieser Publikation liegt der Fokus bewusst auf dem religiös geprägten Flügel des türkischen Ultranationa­lismus. Zur Beschreibung des Phänomens wird durch­gehend der Begriff des türkischen Ultranationalismus verwendet. Autor*innen wie Bozay plädieren für diesen Terminus, da er die spezifischen Merkmale dessen, was häufig als „Rechtsextremis­mus türkischer Prägung“ bezeichnet wird, analytisch präziser erfasst als diese gängigere Bezeichnung. Das Phänomen vereint unterschiedliche Elemente – von ethnisch-nationalistischen Überhöhungen über Ras­sismus und Antisemitismus bis hin zu religiös-fana­tischen Ausprägungen – und lässt sich daher nicht eindeutig einer einzelnen Ideologie der Ungleichwer­tigkeit zuordnen. Der Begriff des Ultranationalismus trägt dieser Vielschichtigkeit Rechnung, ohne die zentrale ideo­logische Gemeinsamkeit aus dem Blick zu verlieren: die Betonung der Ungleichwertigkeit von Menschen

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Der Report wurde von der BAG RelEx im Rahmen von KN:IX connect herausgegeben.

Inhaltliche Rückfragen: Maida Ganević & Miriam Uludoğan-Heß 

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