13. Dezember 2022 | BAG RelEx

Jahresrückblick 2022

Wir blicken zurück auf ein spannendes, ereignisreiches Jahr, das mit einigen Veränderungen einherging. Noch vor einem Jahr schien schwer vorstellbar, wie nah durch den Angriff Russlands auf die Ukraine der Krieg wieder an Europa rücken würde.

Wir wünschen Ihnen trotz, oder gerade wegen, aller aktuellen Herausforderungen einen möglichst friedlichen Jahreswechsel!

 

Ein Blick zurück

Vernetzung, Fachaustausch und Weiterentwicklung – diese Leitgedanken prägen unsere Arbeit als Dachorganisation der zivilgesellschaftlichen Prävention gegen religiös begründeten Extremismus. Die Fachdebatten im Phänomenbereich zu fördern, ist dabei ein zentrales Anliegen.

Mit diesem Ziel haben wir neben internen Austauschformaten für unsere Mitgliedsorganisationen auch in diesem Jahr wieder diverse offene Veranstaltungsformate für die interessierte (Fach-)Öffentlichkeit durchgeführt. Nachdem in den letzten Jahren pandemiebedingt vieles in den digitalen Raum verlegt werden musste, freuen wir uns sehr, dass wir in diesem Jahr wieder einige Präsenzveranstaltungen durchführen und uns mit vielen Netzwerkpartner*innen persönlich austauschen konnten.

In diesem Jahr haben wir Fachgespräche zu den Themen „Jihadistische Bewegungen in Syrien und im Irak“ und „Christlicher und Islamisierter Antisemitismus“ (in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R)) umgesetzt.

Im September haben wir unter dem Titel „Radikalisierungsprävention im Kontext gesellschaftlicher Polarisierung“ unseren diesjährigen Fachtag in Kassel durchgeführt. Dabei haben wir aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage beleuchtet, inwiefern radikalisierte Gruppierungen gesellschaftliche Konfliktlinien aufgreifen und diese mitunter vertiefen. In diesem Zusammenhang haben wir mit Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen diskutiert, wie Radikalisierungsprävention möglichen Folgen von Polarisierungstendenzen begegnen kann und welche Rolle phänomenübergreifende Präventionsansätze dabei spielen können. Einige Vorträge des Fachtags und der Fachgespräche stehen Ihnen in unserer Mediathek zur Verfügung.

Die Implikationen gesellschaftlicher Polarisierung für die Radikalisierungsprävention haben wir auch in der fünften Ausgabe unserer Fachzeitschrift Ligante aufgegriffen. Die Ligante#5 können Sie auf unserer Homepage herunterladen oder über eine E-Mail an info@bag-relex.de kostenfrei als Druckexemplar bestellen.

Die Vorbereitungen des Demokratiefördergesetzes in diesem Jahr haben wir aktiv begleitet. Sowohl das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Bundesministerium des Innern und für Heimat herausgegebene Diskussionspapier als auch den Referentenentwurf des Gesetzes haben wir innerhalb unserer Mitgliedsorganisationen diskutiert und durch unsere Ideen und Perspektiven ergänzt. Auf unserer Website können Sie die Stellungnahmen zu dem Diskussionspapier und zu dem Referentenentwurf nachlesen. Zudem haben wir im Zuge der Vorbereitungen des Demokratiefördergesetzes eine Pressekonferenz abgehalten, auf der unser Vorstand und unsere Geschäftsführung eine Einschätzung zu den Entwicklungen mit der Öffentlichkeit geteilt haben.

Auch in unseren Lobby- und Netzwerkaktivitäten war das Demokratiefördergesetz immer wieder Thema. In unseren Treffen mit Politiker*innen, Ministerien und Behörden sowie in den regelmäßigen Kontakten mit unseren Mitgliedsorganisation waren neben dem Gesetzesentwurf u. a. auch phänomenübergreifende Ansätze, Förderstrukturen, die Ausrichtung der Präventionsarbeit in Deutschland sowie die Diskussionen um den politischen/legalistischen Islamismus Inhalt der Gespräche.

Im September 2022 war unsere Co-Geschäftsführerin Jamuna Oehlmann anlässlich eines Antrags zum Thema „Finanzierung des politischen Islamismus in Deutschland offenlegen und unterbinden“ als Sachverständige für eine Stellungnahme im Ausschuss für Inneres und Heimat geladen. Den Mitschnitt finden Sie auf der Website des Bundestags. Die Stellungnahme von Jamuna Oehlmann beginnt ab Minute 19:10.

Ebenfalls begleitet hat uns in diesem Jahr die Debatte um das Vorhaben der Verstetigung einer „Anlauf- und Dokumentationsstelle konfrontative Religionsbekundung“, in der wir sowohl selbst Stellung bezogen als auch Stellungnahmen weiterer Akteure unterstützt haben.

 

Die BAG RelEx im KN:IX

2022 war das mittlerweile dritte Jahr des Kompetenznetzwerks „Islamistischer Extremismus“ (KN:IX), dem Projekt, das wir gemeinsam mit ufuq.de und dem Violence Prevention Network umsetzen.

Im Januar sind wir in diesem Rahmen mit unserem Podcast KN:IX talks gestartet, in dem wir mit unterschiedlichen Gästen über Themen sprechen, die die Präventions- und Distanzierungsarbeit beschäftigen. In der aktuellen Folge #10 „Brückennarrative, Extremismus und die „Mitte der Gesellschaft“ dreht sich beispielsweise alles um phänomenübergreifende Präventionsarbeit.

Neben vielen anderen Veranstaltungsformaten, die im Rahmen des Kompetenznetzwerks umgesetzt werden, haben wir dieses Jahr erstmals unter dem Motto „KN:IX meets Politik“ Politiker*innen aus dem Berliner Abgeordnetenhaus zu einem Austausch über die Präventionsarbeit gegen islamistischen Extremismus eingeladen. So hatten wir gemeinsam mit unseren Projektpartner*innen die Möglichkeit, die Arbeit von KN:IX vorzustellen, über aktuelle lokale, regionale und bundesweite Entwicklungen in der Präventionslandschaft zu diskutieren und den anwesenden Politiker*innen mit unserer gemeinsamen Expertise zur Seite zu stehen.

Weiter fortgeführt haben wir die beiden Publikationsformate KN:IX Analyse und KN:IX Impuls, in denen wir spezifische Fragestellungen aufgreifen, die in der Radikalisierungsprävention von Relevanz sind. Beispielsweise widmet sich Impuls #6 der Rolle des Ukraine-Kriegs in der islamistischen Propaganda.

Im September traf sich der Beirat von KN:IX  erneut in Berlin, um über zentrale Themen zu diskutieren und die Fachexpertise des 15 köpfigen Gremiums in die Arbeit von KN:IX einfließen zu lassen. Die Schwerpunkte bei dieser Beiratssitzung waren der Blick auf phänomenübergreifende Präventionsarbeit, die Diversifizierung der Islamistischen Szene, sowie die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden in Bezug auf „Hochrisikopersonen“.

KN:IX wird durch die IMAP GmbH kontinuierlich evaluiert, den Zwischenbericht für das Jahr 2022 können Sie hier lesen. Außerdem erscheint zeitnah der KN:IX Report 2022, in dem wir aktuelle Trends und Entwicklungen beleuchten.

Alle drei Monate erscheint der sorgfältig kuratierte KN:IX Newsletter, mit Hinweisen auf unsere Veranstaltungen, Publikationen, Podcasts und anderen spannenden Neuigkeiten aus der Landschaft. Hier abonnieren, um nichts mehr aus dem KN:IX zu verpassen.

 

Ausblick auf das Jahr 2023

Seit kurzem sind wir Teil des Verbundprojekts PrEval (Zukunfts­werkstätten Evaluation und Qualitäts­sicherung in der Extremismus­prävention, Demokratie­förderung und politischen Bildung: Analyse, Monitoring, Dialog). Dafür hat das Team der BAG RelEx Verstärkung durch unsere neue Kollegin Toqa Hilal bekommen. PrEval Zukunftswerkstätten (2022-2025) befasst sich mit Evaluationsdesigns für Präventionsmaßnahmen, wobei es sich auch als breites Netzwerk versteht, das relevante Akteur*innen aus Wissenschaft und Fachpraxis umfasst, um die diversen Perspektiven zu beleuchten sowie potenzielle Wissenstransferformate aufzubauen bzw. zu erweitern.

Daneben arbeiten wir für das nächste Jahr an weiteren Austauschformaten, um eine noch bessere Vernetzung von Praxis, Wissenschaft und Politik in unserem Arbeitsbereich zu erreichen.

Mit einigen Mitgliedsorganisationen, die Projekte in der digitalen Präventionsarbeit umsetzen, erarbeiten wir außerdem derzeit gemeinsame Leitlinien und Standards für diesen noch sehr neuen Arbeitsbereich. Die Publikation wird voraussichtlich im Winter 2023 veröffentlicht. An unsere Mitglieder: Haltet die Augen offen und sprecht uns gerne an, wenn Ihr euch beteiligen möchtet.

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