Die BAG RelEx setzt Standards

Qualitätsstandards für den Arbeitsbereich

Die Entwicklung von Qualitätsstandards (PDF) ist ein zentrales Ziel unserer Arbeit als BAG RelEx. In Arbeitsgruppen tauschen sich Mitarbeitende unserer Mitgliedsorganisationen über fachliche und inhaltliche Standards in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern aus (u. a. interkulturelle Arbeit, Sozialarbeit, Antidiskriminierungsarbeit, Elternberatung, aber auch in den unterschiedlichen Handlungsbereichen der Radikalisierungsprävention) und formulieren gemeinsame Standards, die auch als Grundlage für die Arbeit neuer Träger im Themenfeld dienen sollen.

Als Erweiterung der formulierten Standards, die den Bereich der Onlineprävention berücksichtigen, haben wir im Dezember 2023 die Publikation Rahmenbedingungen und Standards der Onlineprävention veröffentlicht.

Cover Sonderausgabe der Ligante "Standards für das zivilgesellschaftliche Engagement gegen religiös begründeten Extremismus"

Neben der Berücksichtigung eigener Erfahrungen aus den jeweiligen Arbeitskontexten, werden in den Arbeitsgruppen zudem Ansätze und Erfahrungen aus angrenzenden Arbeitsbereichen auf ihre Übertragbarkeit auf das jeweils eigene Arbeitsfeld überprüft. Darüber hinaus dienen die Arbeitsgruppen des Praxis-Wissenschafts-Transfer und bieten einen Raum, um aktuelle Forschungen und praxisrelevante Ergebnisse vorzustellen.

Hier finden Sie die veröffentlichten Standards für das zivilgesellschaftliche Engagement gegen religiös begründeten Extremismus und weitere Publikationen, die im Rahmen der BAG RelEx veröffentlicht wurden.

Standards für das zivilgesellschaftliche Engagement gegen religiös begründeten Extremismus

Seit Mitte der 2000er Jahre gewann die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ausdrucksformen religiös begründeter Ideologien in der Arbeit vieler Träger der Bildungs-, Jugend- und Sozialarbeit an Bedeutung. Die Präventions- und Deradikalisierungsarbeit im Bereich des religiös begründeten Extremismus wird in Deutschland seit Mitte der 2000er Jahre maßgeblich von zivilgesellschaftlichen Trägern geleistet. Mit ihren vielfältigen Ansätzen leisten sie seither einen wesentlichen Beitrag, um religiös begründeten extremistischen Ideologien und Strömungen aktiv entgegenzuwirken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Präventions- und Deradikalisierungsarbeit ist eine wichtige Ergänzung der sicherheitspolitischen Maßnahmen, die von den staatlichen Sicherheitsbehörden umgesetzt werden. In den zahlreichen Angeboten der zivilgesellschaftlichen Träger spiegelt sich der sprunghaft gestiegene Informations- und Unterstützungsbedarf der vergangenen Jahre wider. Das bezieht sich vor allem auf die Arbeitsfelder schulische sowie außerschulische Bildungsarbeit, Soziale Arbeit und Jugendhilfe, gilt aber auch für Verwaltung und Politik. Zivilgesellschaftliche Träger im Bereich des religiös begründeten Extremismus verfügen über einen direkteren Zugang zu relevanten Zielgruppen und sind vor Ort vernetzt. Anders als staatliche Stellen genießen sie in der Regel größeres Vertrauen und mehr Glaubwürdigkeit als das Jugendamt, die Schule oder Polizei, die oft auch als sanktionierende Institutionen wahrgenommen werden. Dabei erweist sich gerade die Breite der Angebote der freien Träger, die nicht auf unmittelbar sicherheitsrelevante Fragen beschränkt sind, als vorteilhaft für die Präventionsarbeit. In vielen Bereichen lässt sich dabei an die langjährige und erfolgreiche Präventionsarbeit der Trägeranknüpfen, die in der interkulturellen, politisch-bildnerischen oder demokratiepädagogischen Arbeit gesammelt wurden. Das gilt in gleicher Weise für die Erfahrungen aus dem Bereich der Rechtsextremismusprävention, in der zahlreiche Mitglieder der BAG RelEx seit Anfang der 1990er Jahre auch aktiv waren und zum Teil noch sind.

In der bereits erwähnten „Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung“ aus dem Jahr 2016 formulierte die Bundesregierung den Wunsch, die staatlichen und zivilgesellschaftlichen Präventionsmaßnahmen zu optimieren, besser zu koordinieren und miteinander zu verzahnen. Sie folgt damit den Forderungen des „Aktionsplans zur Prävention von gewalttätigem Extremismus“, der 2016 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Auch hier wurde die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit staatlicher Institutionen, lokaler Akteur*innen und zivilgesellschaftlicher Träger herausgestellt, um dem Aufkommen und der weiteren Verbreitung von gewalttätigem Extremismus – vor allem Rechtsextremismus und religiös begründetem Extremismus – zu begegnen.

Die Rolle der Zivilgesellschaft für die Förderung demokratischer Werte und Strukturen und der Prävention von Extremismus ist auf nationaler wie auf internationaler Ebene weitgehend unstrittig. Eine wichtige Entwicklung im Zuge der zivilgesellschaftlichen Präventionsarbeit gegen religiös begründeten Extremismus ist die Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus e. V. (BAG RelEx) im November 2016. In der BAG RelEx haben sich seit ihrer Gründung bis heute über 30 zivilgesellschaftliche Träger aus dem gesamten Bundesgebiet organisiert. Gefördert wird die BAG RelEx mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ sowie durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Die Arbeit der BAG RelEx zielt darauf ab, die bereits vorhandenen Ansätze in den Themenfeldern Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention [2] weiterzuentwickeln, die Arbeit der Träger in politischen und fachwissenschaftlichen Diskussionen sichtbar zu machen und demokratisches bürgerschaftliches Engagement gegen Extremismus zu stärken. Sie bietet eine Plattform, um diesbezügliche Aktivitäten, Initiativen und Projekte auch in der fachfernen Öffentlichkeit vorzustellen und ein gesellschaftliches Bewusstsein für ihre Notwendigkeit zu schaffen. Die BAG RelEx vernetzt die zivilgesellschaftlichen Akteur*innen bundesweit, fördert den Fachaustausch und die Zusammenarbeit, vertritt ihre Anliegen gegenüber staatlichen und politischen Gremien und in der Gesellschaft und hat sich die Qualitätssicherung im Arbeitsfeld zum Ziel gesetzt. Die BAG RelEx legt Wert auf die Diversität der Ansätze und Herangehensweisen der Zivilgesellschaftlichen Träger, um individuelle, soziale und politische Faktoren in Radikalisierungsprozessen in den Blick zu nehmen.

Die Ergebnisse des Fachaustauschs bezüglich der Standards im Arbeitsfeld werden im Folgenden dargestellt. In Kapitel 1 werden das allgemeine Selbstverständnis des Arbeitsbereichs mit seinen unterschiedlichen Handlungsfeldern sowie grundlegende Begriffe definiert, wobei auch die Vielfalt des Arbeitsbereichs dargestellt wird. Diese Vielfalt wird aufgrund unterschiedlicher Ziele und Zielgruppen in den Bereichen der Primärprävention einerseits und der Tertiärprävention andererseits auch in dieser Publikation dementsprechend in zwei Kapitel unterteilt dargestellt. Die sogenannte sekundäre Prävention bildet eine Schnittmenge, die in die beiden anderen Felder der Präventionsarbeit hineinwirkt bzw. Teil dessen ist. In Kapitel 2 folgen deshalb eine grafische Darstellung und eine Definition von Standards. In Kapitel 3 und 4 werden dann die spezifischen Standards der primären und tertiären Prävention auf drei Ebenen – der Makro-, der Meso- und der Mikroebene – dargestellt. Kapitel 5 gibt einen Ausblick auf die gemeinsame Qualitätssicherung. Im abschließenden Teil werden auf einer Übersicht die Standorte der Mitgliedsorganisationen der BAG RelEx dargestellt.

Die Koordination der BAG RelEx
Rüdiger José Hamm, Jamuna Oehlmann
Berlin, im Dezember 2019

[2] Unter den zivilgesellschaftlichen Trägern herrscht eine rege Debatte über die Bezeichnungen der Arbeitsbereiche, die an dieser Stelle nicht nachgezeichnet werden kann. Die klassische Einteilung der Prävention in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention wird nicht von allen als sinnvoll erachtet, weil sich die Bereiche teilweise überschneiden. Auch werden unterschiedliche Begriffe für die Primärprävention wie etwa Universalprävention oder schlicht Prävention einerseits und andererseits für die Tertiärprävention Begriffe wie Deradikalisierung, Ausstiegsarbeit, Intervention, Distanzierung oder indizierte Prävention verwendet. In dieser Broschüre werden unterschiedliche Begriffe verwendet, um die Vielfältigkeit der Debatte widerzuspiegeln.

 

Hier finden Sie die veröffentlichten Standards für das zivilgesellschaftliche Engagement gegen religiös begründeten Extremismus und weitere Publikationen, die im Rahmen der BAG RelEx veröffentlicht wurden.