6. Januar 2026

policy:brief No. 6 | „In Gefahr” oder „als Gefahr”?

Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld islamistischer Radikalisierung

Kinder und Jugendliche befinden sich im Themenfeld der Prävention von islamistischem Extremismus in einem doppelten Spannungsfeld: Einerseits werden sie als potenzielle Sicherheitsrisiken wahrgenommen, andererseits zählen sie zu den verletzlichsten Gruppen, die von Radikalisierungsprozessen betroffen sind. Sicherheitsbehördliche Berichte zeigen eine zunehmende Beteiligung Minderjähriger an dschihadistisch motivierten Aktivitäten, wobei soziale Medien als zentrale Beschleuniger wirken. Digitale Räume verknüpfen jugendkulturelle Codes, Zugehörigkeitsbedürfnisse und extremistische Narrative, wodurch Radikalisierungsverläufe schneller und diffuser werden. Pädagogische Fachkräfte agieren hingegen in einer entwicklungsorientierten Logik und müssen zwischen Provokation, Symbolik und ideologischer Festigung unterscheiden. Eine wirkungsorientierte Praxislogik, die Jugendliche produktiv adressiert, entsteht nur durch koordiniertes Handeln und professionssensible Zusammenarbeit.

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Handlungsempfehlungen

    1. Eine zentrale Stellschraube liegt in der Regulierung sozialer Medien. Die Bundesregierung sollte ihr Engagement für die wirksame Regulierung digitaler Plattformen intensivieren und sich auf EU-Ebene aktiver und konsequenter an der Weiterentwicklung bestehender Regelwerke beteiligen. Die konsequente Umsetzung vorhandener rechtlicher Instrumente muss sichergestellt werden, und hier insbesondere eine verbindliche Moderation extremistischer Inhalte. Die Erfahrungen und Perspektiven der Jugendlichen als besonders aktive Nutzer*innen digitaler Räume sollten über Beteiligungsformate oder Jugendgremien systematisch einfließen, um eine realitätsnahe und zukunftsfähige Digitalpolitik zu gestalten.
    2. Neben dem gesetzlichen Bildungsauftrag der Schulen, Medienkompetenz systematisch zu fördern, müssen außerschulische Kontexte gestärkt werden. Gerade außerhalb der Schule entstehen geschützte Reflexionsräume, in denen Jugendliche digitale Inhalte kritisch hinterfragen, manipulative Strategien erkennen und Unsicherheiten offen thematisieren können. Außerschulische Bildungsträger sollten verstärkt durch Projekttage, Workshops oder längerfristige medienpädagogische Angebote eingebunden werden. Gleichzeitig braucht es attraktive, pädagogisch betreute Begegnungsorte offline wie online – von klassischen Jugendhäusern bis hin zu moderierten Discord-Servern oder Formen von Online-Streetwork. Solche Angebote sollten zentrale Brückennarrative adressieren, über die Jugendliche an extremistische Ideologien andocken: Antifeminismus, Anti-Gender-Ideologien, hypermaskuline Rollenvorstellungen sowie Gewaltfaszination.
    3. Zur Stärkung der Handlungssicherheit aller Beteiligten ist ein intensiver Austausch zwischen Sicherheitsbehörden, Verwaltung sowie pädagogischen und sozialarbeiterischen Akteur*innen notwendig. Die jeweiligen Zuständigkeiten und professionellen Kompetenzen müssen klar benannt und wechselseitig anerkannt werden. Institutionalisierte Austauschformate können Rollenprofile, Informationswege und Einschätzungslogiken transparent machen und aufeinander abstimmen. Dadurch lassen sich professionssensible Fallbearbeitungen, kohärente Interventionsschritte und eine konsequent präventive Praxis sicherstellen.

 

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Inhaltliche Rückfragen: Maida Ganević & Frederik Braune

 

Die Autor*innen

Maida Ganević ist seit April 2025 als Referentin für interreligiöse Zusammenarbeit bei der BAG RelEx tätig. Sie studierte Politikwissenschaft und Islamwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (BA) und setzte ihr weiterführendes Studium (MA) in Politikwissenschaft und Soziologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg fort, das sie auch zu einem Studienaufenthalt nach Istanbul führte. Bereits während ihres Studiums sammelte sie praktische Erfahrungen in den Themenfeldern der BAG RelEx, u. a. in einer Fach- und Beratungsstelle für universelle Extremismusprävention mit Fokus auf besonders schutzbedürftige Jugendliche. Seit 2024 ist sie Stipendiatin der Deutschlandstiftung Integration (Programm Diversify). Darüber hinaus engagiert sie sich als Multiplikatorin in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung und gibt Workshops u. a. zu Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus.

Frederik Braune ist Sozialarbeiter und seit Juli 2023 bei der BAG RelEx tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen „Radikalisierung auf Social Media“ und „Prävention im digitalen Raum“. Zuvor studierte er Internationale Not- und Katastrophenhilfe an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften sowie Soziale Arbeit an der Fachhochschule Potsdam. Vor seiner Zeit bei der BAG RelEx war er einige Jahre bei einem Träger der Berliner Suchthilfe im Bereich der Wohnungslosenhilfe tätig.

Jamuna Oehlmann ist Geschäftsführerin der BAG RelEx und leitet seit 2025 KN:IX connect | Verbund Islamismusprävention und Demokratieförderung. Zuvor hatte Sie die Leitung des Kompetenznetzwerks „Islamistischer Extremismus“ (KN:IX, 2020-2024) inne. Sie verfügt über einen akademischen Hintergrund in Asienwissenschaften sowie Internationale Beziehungen und Diplomatie, den sie in Berlin, Bangkok und London erworben hat. In ihren Studien hat sie sich insbesondere mit Fragen der internationalen Sicherheit und des Terrorismus auseinandergesetzt.

 

Über policy:brief

Das policy:brief der BAG RelEx fasst Positionen und Erkenntnisse aus unserer Arbeit prägnant zusammen und nimmt dabei besonders Bezug auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen und Herausforderungen. Das policy:brief geht auf der einen Seite einen Schritt zurück und erklärt Zusammenhänge und auf der anderen Seite einen Schritt weiter, indem es zielgruppenorientierte und -gerechte Handlungsempfehlungen enthält. Unsere Arbeit und die unserer rund 40 Mitgliedsorganisationen wird so zielgruppengerecht kommuniziert und der Austausch mit externen Stakeholdern und Akteuren aus Wissenschaft, Politk, Verwaltung und Wirtschaft unterfüttert. Hier kommen Sie zur Übersicht der Ausgaben.

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