Gesellschaftliche Spannungsfelder im Kontext von Flucht, Migration und Islamismusprävention
Einzelfälle islamistisch motivierter Gewalt durch Personen mit Migrationsgeschichte befeuern eine emotionalisierte Debatte über einen Zusammenhang zwischen Migration und Extremismus – doch greift diese zu kurz. Radikalisierung entsteht durch komplexe soziale, psychologische und institutionelle Dynamiken und ist nicht monokausal erklärbar. Um wirksame, kontextsensiblen Präventionsstrategien zu entwickeln braucht es einen multiperspektivischen Ansatz sowie enge Zusammenarbeit und Wissenstransfer von Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden. Zentral sind: ein interdisziplinärer Austausch zur Stärkung gesellschaftlicher Resilienz, die differenzierte Einordnung extremistischer Phänomene, um vorschnelle Zuschreibungen und das Ausblenden anderer Extremismusformen zu vermeiden, sowie die kontextuelle, weder unter- noch überbewertende Betrachtung von Flucht- und Migrationsbiografien.
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Handlungsempfehlungen
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Radikalisierung lässt sich nicht monokausal mit Flucht oder Migration begründen – so verlockend diese Erklärung für politische Akteur*innen auch sein mag. Vielmehr bedarf es einer multiperspektivischen Betrachtung der individuellen, sozialen und institutionellen Bedingungen, unter denen Radikalisierung stattfinden kann. Es braucht differenzierte Ansätze, die Schutzfaktoren stärken, Brücken zwischen Gruppen bauen und Polarisierung aktiv entgegenwirken. Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, müssen Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden gemeinsam an der Entwicklung transparenter, kontextsensibler und diskriminierungskritischer Präventionsstrategien arbeiten.
Daraus ergeben sich potenzielle Schwerpunkte, die stärker in den Fokus rücken müssen:
- Relevante wissenschaftliche Erkenntnisse aus der nationalen und internationalen Forschungslandschaft müssen in interdisziplinären Formaten gemeinsam reflektiert und eingeordnet werden – nicht zuletzt, um bestehende Brücken zwischen den relevanten Akteur*innen im Themenfeld Islamismus und Migration auszubauen oder aufzubauen. Es ist besonders relevant, hier die Expertise aus sowohl der Prävention von (islamistischem) Extremismus einzubinden als auch diejenige, die sich mit der Einordnung und den Auswirkungen von Migrationspolitik beschäftigt. Ein solcher interdisziplinärer und akteursübergreifender Schulterschluss wird entscheidend dazu beitragen, gesellschaftlichen Zusammenhalt effektiver zu fördern und Polarisierung entgegenzuwirken.
- Radikalisierung und Extremismus im Kontext von Migrations- und Fluchterfahrungen sollten als mögliche Aspekte ernst genommen werden – ohne dabei pauschale Täterzuschreibungen zu fördern oder betroffene Personen ausschließlich in einer Opferrolle zu verorten. Vielmehr gilt es, Migrations- und Fluchtbiografien als potenzielle Einflussfaktoren im Zusammenspiel mit weiteren sozialen, politischen und psychologischen Bedingungen zu betrachten und dabei weder überzubewerten noch aus rein humanistischer Perspektive auszublenden.
- Im Kontext extremistischer Phänomene sollte die Zuschreibung spezifischer Ideologien stets mit Bedacht erfolgen – insbesondere, wenn Migration und Religion miteinander verknüpft werden. Dies gilt vor allem im Bereich des auslandsbezogenen Extremismus, wo islamistische Motive häufig vorschnell unterstellt werden. Eine solche pauschale Einordnung kann nicht nur zu sachlich unzutreffenden Bewertungen führen, sondern auch das gesellschaftliche Bild über die tatsächliche Verbreitung islamistischer Ideologien verzerren. Gleichzeitig drohen andere Formen von Extremismus aus dem Blick zu geraten, wenn sie nicht klar als solche benannt und eingeordnet werden.
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Ansprechpersonen für Rückfragen
Inhaltliche Rückfragen: Miriam Katharina Heß
Presseanfragen: Charlotte Leikert
Die Autor*innen
Miriam Katharina Heß ist seit 2024 Referentin für internationale Zusammenarbeit und Terrorismusanalyse bei der BAG RelEx. Sie studierte National and International Administration and Policy an der Universität Potsdam sowie Politikwissenschaften an der Universität Hamburg. Aktuell untersucht sie im Rahmen ihrer Promotion die Sicherheitsrhetorik von Terrorismus im Kontext von Versicherheitlichung in Deutschland an der Universität Leipzig.
Jamuna Oehlmann ist Geschäftsführerin der BAG RelEx und leitet seit 2025 KN:IX connect | Verbund Islamismusprävention und Demokratieförderung. Zuvor hatte Sie die Leitung des Kompetenznetzwerks „Islamistischer Extremismus“ (KN:IX, 2020-2024) inne. Sie verfügt über einen akademischen Hintergrund in Asienwissenschaften sowie Internationale Beziehungen und Diplomatie, den sie in Berlin, Bangkok und London erworben hat. In ihren Studien hat sie sich insbesondere mit Fragen der internationalen Sicherheit und des Terrorismus auseinandergesetzt.
Über policy:brief
Das policy:brief der BAG RelEx fasst Positionen und Erkenntnisse aus unserer Arbeit prägnant zusammen und nimmt dabei besonders Bezug auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen und Herausforderungen. Das policy:brief geht auf der einen Seite einen Schritt zurück und erklärt Zusammenhänge und auf der anderen Seite einen Schritt weiter, indem es zielgruppenorientierte und -gerechte Handlungsempfehlungen enthält. Unsere Arbeit und die unserer rund 40 Mitgliedsorganisationen wird so zielgruppengerecht kommuniziert und der Austausch mit externen Stakeholdern und Akteuren aus Wissenschaft, Politk, Verwaltung und Wirtschaft unterfüttert. Hier kommen Sie zur Übersicht der Ausgaben.

Wie nutzen extremistische Akteur*innen digitale Räume? Können Online- und Offlinesphäre bei Radikalisierungsprozessen überhaupt getrennt voneinander betrachtet werden? Und wie kann erfolgreiches demokratisches Engagement in sozialen Medien aussehen? Darüber sprechen wir mit Julian Hohner und Mehmet Koç.
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Alter Wein in neuen Schläuchen
von Patrick Möller, 15. Juli 2025
Die islamistische Bewegung der Hizb ut-Tahrir (HT) wächst in Deutschland – obwohl sie seit 2003 mit einem Betätigungsverbot belegt ist. Dazu beigetragen haben auch Realität Islam und Generation Islam, die als ideologisch-nahestehende bzw. informelle Formate der HT eingestuft werden. Die Bekanntgabe ihrer Auflösung im Mai und Juni 2025 erscheint wie eine positive Entwicklung im Kampf gegen die extremistische Bewegung. Doch paradoxerweise könnte dies der Hizb ut-Tahrir sogar von Nutzen sein.
Die aktuellen Zahlen der Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern für das vergangene Jahr 2024 zeigen, dass die Hizb ut-Tahrir in Deutschland weiter Zulauf hat. Das Bundesamt für Verfassungsschutz gibt die Zahl der Mitglieder/Anhänger*innen der HT nun mit bundesweit 850 an. [1] Damit haben sich die Zahl in fünf Jahren (Stand 2019: 430) nahezu verdoppelt und gemessen auf zehn Jahre (2014: 300) fast verdreifacht.
Die 2010er-Jahre – Das Fundament für den neuen Erfolg
Zu diesem Erfolg hat der Aufstieg der großen Sozialen Medien wesentlich beigetragen. Zwar konnten Anhänger*innen der HT schon vorher in Internetforen und frühen Sozialen Medien wie SchülerVZ für die HT werben und Rekrutierungsversuche unternehmen, [2] doch bot ab den 2010er-Jahren vor allem zunächst Facebook eine nie zuvor gekannte Reichweite, um mit Menschen über die digitale Welt in Kontakt zu treten. Hier etablierten sich einige HT-nahe Formate, die starke Reichweiten mit teils zehntausenden Follower*innen erzielten, [3] denen es aber an einer klaren inhaltlichen Konzeptionierung, Fachexpertise und Professionalität bei der Erstellung von Content mangelte.
Dies änderte sich mit der Gründung von Generation Islam (GI) im Jahr 2013 [4] und Realität Islam (RI) im Jahr 2015. Beide Formate speisten hochprofessionell erstellte Videos auf diversen Internet-Plattformen wie Facebook, YouTube, X (ehemals Twitter) und später auch Instagram und TikTok ein. Öffentliche Gesichter waren primär Ahmad Tamim (GI) und Raimund Suhaib Hoffmann (RI), sowie sekundär Ali Kil bei RI und Umar Qadir und Bilal Oromo bei GI; letzterer folgte auf Qadir, der Anfang der 2020er-Jahre von der Bildfläche verschwand. Im Gegensatz zu GI trat RI von Beginn an auch abseits des digitalen Raumes in Erscheinung, zu Beginn mit einer offensiven Werbekampagne und großen Saalveranstaltungen, später auch mit Veranstaltungen in eigenen Räumlichkeiten.
GI und RI produzierten in den zwölf bzw. zehn Jahren seit ihrer Gründung hunderte von professionell erstellten Videos, darunter im Fall von GI auch mit zahlreichen Animationen. Gemeinhin waren die Videos meistens im Stil eines frontalen Vortrags für Zuschauer*innen konzipiert. Die Themen variierten stark; das zentrale Narrativ war meist der „Assimilierungszwang“, den Politik und Medien gegenüber Muslim*innen ausüben würden, um einen entstellten Islam in Deutschland zu etablieren. Zwar nutzten die HT-Formate zur Vermittlung dieser Weltsicht gezielt den Zuschauer manipulierende Techniken, insbesondere Entkontexualisierung und ideologisches Framing, doch bediente man sich für die Grundlage keiner Fake-News, sondern realer Ereignisse, die mehr oder weniger tatsächlich Angriffe gegen muslimisches Leben in Deutschland darstellten. Dabei thematisierten die HT-Formate fast nie islam- und muslimfeindliche Aussagen der extremen Rechten, sondern von Politikern und Medien der demokratischen Mitte. Ihren mit Abstand größten Erfolg verzeichneten sie 2018 mit einer Petition im Zuge der bundesweiten Debatte nach einem Kopftuchverbot für Schülerinnen. [5] Ihr Erfolg spiegelte sich auch in den stark steigenden Zahlen von HT-Mitgliedern/Anhängern wider, die die Verfassungsschutzämter registrierten (2017: 350, 2020: 600).
Die 2020er-Jahre – die Jungen rücken nach und die Alten passen sich an
2020 trat in Hamburg mit Muslim Interaktiv (MI) ein neues HT-nahes Format in Erscheinung, dass sich grundsätzlich in seinen Inhalten als auch in seiner Selbstdarstellung von GI und RI deutlich unterschied. Statt eines wöchentlichen Vortragsvideos ist der Video-Content von MI sehr unregelmäßig, dafür mit großem Aufwand publiziert und geht häufig mit aufmerksamkeitswirksamen Aktionen im öffentlichen Raum einher. Dabei handelt es sich meist um Kundgebungen; die Teilnehmer*innenzahl liegt mittlerweile regelmäßig im vierstelligen Bereich. Die Aktionen zeugen von einem hohen Maß an Professionalität, Organisation und vor allem Disziplin. Äußerlich demonstrieren die MI-Aktivisten ein Image starker Maskulinität und treten in jugendlichen T-Shirts und Hoodies auf. Verglichen damit sehen die Videopredigten von GI und RI im konservativ-ordentlichen Hemd tatsächlich „alt“ aus.
Am 19. Mai 2025 nannte sich Realität Islam in den personalisierten Account Suhaib Hoffmann um, wobei sich die Transformation über Monate sukzessiv subtil abgezeichnet hatte. Ali Kil war seit Ende 2024 nicht mehr aufgetreten, später wurden Inserate von Hoffmann am Ende der Videos eingeblendet. Anfang Mai verschwand auch das Logo von RI zugunsten des Schriftszugs Suhaib Hoffmann, ehe am 19. Mai der Kanal endgültig in Suhaib Hoffmann umbenannt wurde. (Dokumentationsstelle Politischer Islam, 2025, S. 4 f.) Zudem wurden alle Videos gelöscht, die das Logo von RI enthielten. Bei vielen Followern löste dies starke Verwirrung aus, Hoffmann rechtfertigte dies später auf Instagram und YouTube damit, dass er etwas Neues wagen wolle.
Der plötzliche Abgang von Internetpredigern aus dem ideologischen Umfeld der deutschen HT ist nicht neu – konkrete Beispiele sind Ibn Yakub und Umar Qadir [6] – und zumindest im ersten Fall ist dies auf einen Ausstieg aus der HT zurückzuführen. [7] Frühe Spekulationen über ein mögliches Zerwürfnis zwischen Hoffmann und Kil waren daher ein erstes naheliegendes Erklärungsmuster, dem Hoffmann jedoch schnell entgegentrat, indem er seine Freundschaft mit ihm betonte und auf Kils weitere Internetpräsenz verwies, die keinerlei Bruch mit den ideologischen und narrativen Ansichten der HT aufweist.
Am 1. Juni 2025 erklärten die GI-Prediger Ahmad Tamim und Bilal Oromo in einem gemeinsamen Video das Ende von Generation Islam, wobei sie Spekulationen über ein Zerwürfnis zurückwiesen. Sie verkündeten sich künftig die Arbeit unter den YouTube-Kanälen Ahmad Tamim und Instagram- und TikTok-Accounts Bilal Oromo zu teilen und wandelten die Accounts von GI auf den entsprechenden Plattformen um. Begründet wurde die Entscheidung damit, sich den Entwicklungen in den Sozialen Medien anpassen zu wollen. [8] Auch hier wurde sämtlicher alter Content entfernt.
Motive für die Transformation
Über die Transformationsgründe lässt sich mangels einer internen Einsicht in den Entscheidungsprozess nur spekulieren. Ein naheliegendes Erklärungsmuster ist der generelle Trend in den Sozialen Medien zur Auflösung altbekannter Gruppen-Marken zugunsten personalisierter Accounts. Dadurch kann bei Interaktion die Beziehung zum Creator auch als nahbarer und persönlicher wahrgenommen werden. Ein weiterer möglicher Aspekt ist, dass beide Formate in der Öffentlichkeit in dem Sinne verbrannt sind, dass sie seit Jahren in den Verfassungsschutzberichten von Bund und Ländern erwähnt werden. Ihre islamistisch-extremistische Ausrichtung ist demnach allgemein bekannt und über das Internet können schnell Informationen eingeholt werden. Die Namen der Akteure sind dagegen deutlich weniger bekannt und neue Interessenten könnten daher weniger Berührungsängste haben.
Aus Sicht des Autors ist ein möglicher zentraler Aspekt, dass mit einer Umwandlung der Gruppen-Formate hin zu personalisierten Accounts ein immer wieder in der Politik gefordertes Verbot von GI und RI durchkreuzt wird. Nach § 2 VereinsG bedarf es für eine Einstufung als Verein keiner offiziellen Vereinsstruktur; das Bundesministerium des Innern teilte auf Anfrage des Autors mit, dass nach der ständigen Rechtsprechung die entsprechenden Paragraphen zudem möglichst weit auszulegen seien, um „möglichst jede Form der Vereinigung zu erfassen“. [9]
Durch die offizielle Auflösung von GI und RI und die Personalisierung der Accounts stehen die Inhalte nun als Privatmeinungen im öffentlichen Raum. Möglicherweise kann die Personalisierung auch für die HT-Anhängerschaft vorteilhaft sein. In der Vergangenheit wurden etwa nichtdeutschen Staatsangehörigen, denen die Sicherheitsbehörden eine ideologische Nähe zu GI und RI und damit zur Hizb ut-Tahrir attestierten, mit Verweis auf eben diese Nähe die Einbürgerung verweigert.
Eine erste Bilanz
Unabhängig von der Frage nach den Motiven für die Transformation lässt sich gut zwei Monate später attestieren, dass das Ende von GI und RI keine realen Auswirkungen auf die Content-Produktion und Aktivitäten der Verantwortlichen gehabt hat. Das jüngste Beispiel war der Aufruf zur „Schutzkampagne für Gaza“ durch Ahmad Tamim, die am 5. Juli 2025 mit einer großen Kundgebung in Berlin stattfand. Vorab wurde im Netz kräftig mobilisiert; viele Personen reisten aus anderen Bundesländern an. Mehr als 1.500 Personen nahmen an der straff organisierten und ohne Zwischenfälle durchgeführten Veranstaltung teil. Neben Ahmad Tamim als Hauptredner waren auch Bilal Oromo und Ali Kil im Publikum anwesend, Hoffmann hatte im Netz ebenfalls zur Teilnahme aufgerufen. [10]
Das offizielle Ende von Generation Islam und Realität Islam und die vollzogene Transformation stellt eine Wegmarke in der Geschichte der deutschen Hizb ut-Tahrir und ihrem Umfeld dar, eine tatsächliche Zäsur zeigt sich aber weder personell noch ideologisch oder inhaltlich. Insofern präsentieren die Verantwortlichen lediglich ihren alten Wein in neuen Schläuchen.
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Anmerkungen
[1] Bundesamt für Verfassungsschutz (2025, S. 204).
[2] Der Autor dieses Textes wurde im Jahr 2008 über das ehemalige Sozial-Media-Netzwerk SchülerVZ auf die Hizb ut-Tahrir erstmals aufmerksam. Eingeleitet wurde dies durch einen Jugendlichen, der sich in der Gruppe Christlich-Islamischer Dialog im SchülerVZ einbrachte. Im direkten Chat-Kontakt mit dem Autor warb der Jugendliche für die Notwendigkeit des Kalifats und verwies auf die HT-Internetseite Kalifat.com.
[3] Hierzu zählten etwa Formate wie Islamisches Erwachen, La hawla wa la quwwata illa billah und Verständnisse des Islam (Möller, 2022, S. 102).
[4] Anfangs noch – nach Impressumsausgaben der Internetseite – von Adrian Hajdaraj aus Hamburg geführt, ging die Verantwortung später an den in Berlin ansässigen Ahmad Tamim über.
[5] Angestoßen hatte dies Serap Güler (CDU), die damalige NRW-Staatssekretärin für Integration. Bereits im Jahr 2017 hatte der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages ein solches Verbot als wohl verfassungswidrig eingeschätzt (Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags, 2017, S. 17).
[6] Ibn Yakub war auf YouTube einige Jahre mit einem eigenen Kanal präsent; bis 2015 wurden seine Videos zum Teil bei Generation Islam eingestellt bzw. er trat für GI auf. 2015 verschwand all der mit ihm produzierte Content von den GI-Accounts. Umar Qadir wirkte spätestens ab 2016 für GI, verschwand aber seinerseits Anfang der 2020er-Jahre und wurde durch Bilal Oromo ersetzt.
[7] Dies wurde dem Autor durch zwei zeitlich und örtlich voneinander unabhängige Quellen berichtet.
[8] Eine detaillierte Analyse des Transformationsvorgangs von GI und RI findet sich in der Publikation DPI Focus: Immer noch Jung. Hip. Islamistisch? der österreichischen Dokumentationsstelle Politischer Islam.
[9] Antwort des Bundesinnenministerium des Innern an den Autor vom 8. Juli 2025.
[10] Beiträge auf Instagram vom 5. und 6. Juli 2025.
Quellen- und Literaturverzeichnis
Bundesamt für Verfassungsschutz (2025). Verfassungsschutzbericht 2024. Bundesministerium des Innern.
Dokumentationsstelle Politischer Islam (2025). DPI Focus: Immer noch Jung. Hip. Islamistisch? Dokumentationsstelle Politischer Islam.
Möller, Patrick (2022). Hizb ut-Tahrir – Comeback einer verbotenen Organisation. In Rauf Ceylan & Michael Kiefer (Hrsg.), Der islamische Fundamentalismus im 21. Jahrhundert (S. 85–117) Wiesbaden: Springer VS.
Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags (2017). Schule und Religionsfreiheit. Wäre ein Kopftuchverbot für Schülerinnen rechtlich zulässig? WD 3 – 3000 – 277/16.
Der Autor
Patrick Möller studierte Islamwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und Arabisch an der Ain-Shams-Universität in Kairo sowie der United Arab Emirates University in Al-Ain, Vereinigte Arabische Emirate. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Thema Islamismus, insbesondere dem Salafismus und der Hizb ut-Tahrir-Bewegung. Von 2015 bis Ende 2020 arbeitete er in der Radikalisierungsprävention für Violence Prevention Network gGmbH in Frankfurt und Berlin. Seit 2021 arbeitet er auf freiberuflicher Basis. 2022 erschien sein Beitrag „Hizb ut-Tahrir – Comeback einer verbotenen Organisation“ im Sammelband Rauf Ceylan & Michael Kiefer (Hrsg.), Der islamische Fundamentalismus im 21. Jahrhundert im Springer Verlag.
Heute jährt sich der Genozid von Srebrenica zum 30. Mal – ein Verbrechen, das bis heute nachwirkt. Als BAG RelEx nehmen wir den heutigen Internationalen Tag des Gedenkens an den Völkermord in Srebrenica (Beschluss der UN-Generalversammlung) zum Anlass, an die über 8.300 Bosniak*innen zu erinnern, die im Juli 1995 in und um die als UN-Schutzzone deklarierte Stadt Srebrenica systematisch ermordet wurden. Der Genozid, verübt durch serbische Einheiten unter dem Kommando von Ratko Mladić, gilt als das schwerwiegendste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Zahlreiche Opfer des Genozids bleiben bis heute verschwunden, während Überlebende und Hinterbliebene auch drei Jahrzehnte später noch für eine umfassende Aufarbeitung und die Anerkennung ihres erlittenen Leids kämpfen.
Der Völkermord von Srebrenica war Teil einer umfassenden, ultranationalistisch motivierten Gewaltkampagne, die sich im Kontext des Bosnienkriegs gegen die bosniakische, muslimische Bevölkerung der Region richtete. Srebrenica steht in diesem Zusammenhang bis heute sinnbildlich für das Versagen der internationalen Gemeinschaft und verdeutlicht, welche verheerenden Dynamiken nationalistische Ideologien entfalten können, wenn sie in politisches und militärisches Handeln übergehen.
Als BAG RelEx ist es uns dabei ein zentrales Anliegen, insbesondere auf die fortwährende Instrumentalisierung des Genozids von Srebrenica hinzuweisen: Rechtsterroristische Attentäter wie Anders Breivik oder der Täter von Christchurch stilisierten den Völkermord an den Bosniak*innen in der Vergangenheit zu zentralen Bezugspunkten ihrer Gewaltideologien gegen Geflüchtete, Migrant*innen und Muslim*innen. In Netzwerken der Neuen Rechten kursieren zudem offene Forderungen nach einem „Srebrenica 2.0“. Gleichzeitig wird der Genozid auch von islamistischen Gruppierungen immer wieder propagandistisch genutzt – etwa zur Emotionalisierung, Mobilisierung und Rekrutierung potentieller Anhänger*innen.
Das Gedenken an Srebrenica bedeutet deshalb weit mehr als eine historische Rückschau. Es verlangt eine kritische Auseinandersetzung mit der Vereinnahmung der Geschichte und ein aktives Eintreten gegen deren Relativierung und Verzerrung.
Wir möchten diesem Zusammenhang auf die Arbeit des Memorial Center Srebrenica hinweisen, welches durch Forschung, Dokumentation und Bildungsarbeit einen unverzichtbaren Beitrag zur Aufarbeitung und transnationalen Erinnerungskultur leistet.
Die Handlungsempfehlungen zeigen deutlich: Prävention muss differenziert, langfristig und interdisziplinär gedacht werden. Zusammen mit acht weiteren Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis hat unsere Geschäftsführerin Jamuna Oehlmann als Mitglied der Task Force die Empfehlungen erarbeitet.
Die Handlungsempfehlungen zeigen auf, wo wir als Gesellschaft ansetzen müssen, um islamistischer Radikalisierung nachhaltig zu begegnen. (mehr …)
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Wie erklärst Du Dir, dass antimuslimischer Rassismus trotz jahrzehntelanger Migrationsgeschichte und gesellschaftlicher Vielfalt weiterhin so stark verbreitet ist?
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