28. Mai 2020 | BAG RelEx

Arbeit in Zeiten von Corona

Wie gehen einzelne Träger und Projekte mit der aktuellen Situation um? Zu dieser Frage haben verschiedene Vereine und Projekte ihre Perspektive geschildert. Die Aktion fand anlässlich des diesjährigen Diversity Days statt und wurde vom Bereich Antidiskriminierung der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung initiiert. Auch wir haben uns dran beteiligt und auf die drei Fragen geantwortet:

Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Für eine Vielzahl unserer Mitgliedsorganisationen ist durch die Krise der Kontakt zu ihren Zielgruppen deutlich erschwert worden. Dies ist zum einen für Träger der Fall, die im Bereich Primärprävention mit Jugendlichen arbeiten. Aber auch solche Träger, die in der Ausstiegsberatung oder im Strafvollzug tätig sind, stehen diesbezüglich vor großen Herausforderungen. Bieten digitale Formate in Bezug auf die Arbeit mit Multiplikator*innen eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit fortzusetzen, wirkt sich die aktuelle Situation gerade dann besonders auf die aktuelle und zukünftige Arbeit aus, wenn dem Beziehungsaufbau eine besondere Bedeutung zu kommt. Zwar bieten digitale Formate eine Möglichkeit, weiterhin mit der Zielgruppe in Kontakt zu bleiben, dennoch ersetzen sie in vielen Kontexten keine persönlichen Treffen. Außerdem ergeben sich gerade im Kontext von Beratungen, in Bezug auf Datenschutz und -sicherheit Schwierigkeiten, wenn diese in der aktuellen Situation weitergeführt werden (sollen). Weiterhin konnten geplante Veranstaltungen nicht in der Form durchgeführt werden und die Umstellung auf digitale Formate beansprucht(e) sowohl in Bezug auf Ressourcen als auch in der Planung, Zeit und Know-how.

In Bezug auf die Zielgruppen unserer Mitgliedsorganisationen haben wir außerdem die Rückmeldung erhalten, dass Verschwörungstheorien eine große Rolle spielen und diesbezüglich bei den Zielgruppen ein erhöhter Bedarf an Informationen besteht.

Hinweis: Aufgrund der Tatsache, dass unsere Mitgliedsorganisationen sehr diverse Zielgruppen ansprechen, ist dies jedoch nur als ein Ausschnitt zu sehen.

Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

In der Arbeit mit unseren Mitgliedsorganisationen haben wir aktuell vermehrt auf digitale Formate umgestellt. Der fachliche Austausch innerhalb der Mitgliedschaft wurde dementsprechend im Rahmen digitaler Netzwerktreffen fortgesetzt. Als BAG RelEx bieten wir bereits seit Herbst 2018 Webinare an und konnten so Erfahrungen mit der Durchführung digitaler Formate sammeln. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen haben wir für unsere Mitgliedsorganisationen ein Angebot entworfen, welches sie in der aktuellen Situation unterstützt.

Unsere Mitgliedsorganisationen haben einen Teil ihre Arbeit ebenfalls so gut es geht im digitalen Raum fortgesetzt. Diesbezüglich bieten Sie verschiedene online Angebote für ihre Zielgruppe an. Allerdings ist, gerade in Bezug zur ersten Frage die Herausforderung zu betonen, manche Zielgruppen in der aktuellen Situation adäquat zu erreichen.

Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

In Bezug auf den Umgang mit solchen Situationen ist die Perspektive zivilgesellschaftlicher Träger dringend mit einzubeziehen. Sie leisten einen essenziellen Beitrag zu einem demokratischen Miteinander und bekommen die Auswirkungen in ihrer täglichen Arbeit zu spüren. Gesellschaftliche Spannungen und die damit einhergehende Stimmung spiegeln sich stets in der Arbeit der Träger wider und stellen u.a. die Arbeit mit der Zielgruppe vor Herausforderungen. In Bezug auf gesellschaftliche Krisen ist dementsprechend stets zu berücksichtigen, dass eine Lösung nur eine gemeinschaftliche sein kann, die nicht auf Kosten einzelner Gruppen geht. Allzu leicht werden in Krisensituationen bereits existierende Diskriminierungen und Stigmata verstärkt. In der aktuellen Zeit kann auf Krisen jedoch nur mit einer gemeinschaftlichen Lösung geantwortet werden.

Lesen Sie auch die Berichte anderer Träger.

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